Tutorial P2P Expert XOR - unterschiedliche Beschaffungswege
TL;DR
Ziel: Nach der Bestellposition unterschiedliche Beschaffungspfade für physische Materialien und Software erzeugen.
Voraussetzungen:Config 2 – Simpleist vorhanden und die bisherigen Simple-Use-Cases sind konfiguriert.
Ergebnis: Physische Beschaffungen durchlaufen Lieferung, Warenannahme und Wareneingang, während Software direkt bereitgestellt wird.
Fachliche Fragestellung
Nicht jede Bestellung durchläuft denselben Beschaffungsprozess.
Ein physisches Bauteil muss beispielsweise:
geliefert
→ angenommen
→ gebucht
→ geprüft
werden.
Bei einer Softwarelizenz gibt es dagegen keinen klassischen Wareneingang.
Der entsprechende Ablauf kann deutlich kürzer sein:
Bestellposition
→ Bereitstellung
Eine zentrale Process-Mining-Frage lautet deshalb:
Wie unterscheiden sich Durchlaufzeiten und Prozessmuster zwischen verschiedenen Beschaffungsarten?
Gewünschtes Datenbild
Nach der: bestellposition
soll eine XOR-Entscheidung zwischen zwei Prozesspfaden stattfinden.
Physische Beschaffung
Bestellposition
→ Lieferung
→ Warenannahme
→ Wareneingang
→ Wareneingangsprüfung
→ Rechnung
Software-Beschaffung
Bestellposition
→ Bereitstellung
→ Rechnung
Danach laufen beide Varianten wieder im gemeinsamen Rechnungs- und Zahlungsprozess weiter.
1. Auf Mode: Expert wechseln
Stelle die Smart Data Forge auf:
Mode: Expert
Dadurch werden später zusätzlich die Bereiche:
07 Capacity Bottleneck
und
08 Bundling
verfügbar.
Die eigentliche Branch-Logik wird weiterhin in:
03 Causal Chain
modelliert.
2. Zusätzliche Tabellen anlegen
Für die beiden Beschaffungspfade erweitern wir das Simple-Modell um folgende Tabellen:
lieferung
Primary Key: lieferung_id
Timestamp: geliefert_am
Foreign Key: bestellposition_id → bestellposition.position_id
warenannahme
Primary Key: warenannahme_id
Timestamp: angenommen_am
Foreign Key: lieferung_id → lieferung.lieferung_id
bereitstellung
Primary Key: bereitstellung_id
Timestamp: bereitgestellt_am
Foreign Key: bestellposition_id → bestellposition.position_id
wareneingang_pruefung
Primary Key: pruefung_id
Timestamps: pruefung_geplant_am, wareneingang_geprueft_am
Foreign Key: wareneingang_id → wareneingang.wareneingang_id
Diese Tabellen bilden die fachlichen Unterschiede zwischen einem physischen und einem digitalen Beschaffungsprozess ab.
3. PHYSICAL-Pfad aufbauen
Öffne: 03 Causal Chain
Nach: bestellposition
fügen wir zunächst: lieferung ein.
Öffne anschließend bei lieferung: Branch / Join und konfiguriere:
Parent slot:bestellposition
Branch tag:PHYSICAL
Aktiviere zusätzlich:
XOR-Split
Damit wird lieferung zum Ausgangspunkt der Entscheidung zwischen physischer Beschaffung und Software.
4. Branch-Gewichtung konfigurieren
Für unser Demo verwenden wir:
PHYSICAL = 80
SOFTWARE = 20
Damit laufen ungefähr 80 % der entsprechenden Fälle über den physischen Prozess und 20 % über den Software-Pfad.
Die Smart Data Forge unterstützt dafür gewichtete XOR-Branches direkt in der Causal Chain.
5. Physische Prozesskette ergänzen
Nach lieferung ergänzen wir:
warenannahme
→ wareneingang
→ wareneingang_pruefung
Alle diese Slots gehören zum:
PHYSICAL
Branch.
Die im Expert-Modell verwendeten Zeitabstände sind:
| Übergang | Zeit |
|---|---|
bestellposition → lieferung | 2–10 Tage |
lieferung → warenannahme | 0–1 Tag |
warenannahme → wareneingang | 1–6 Stunden |
wareneingang → wareneingang_pruefung | 0–2 Tage |
Damit entsteht ein realistischer physischer Materialfluss von der Bestellung bis zur Qualitätsprüfung.
6. SOFTWARE-Pfad ergänzen
Als zweiten Branch fügen wir: bereitstellung hinzu.
Konfiguriere:
Parent slot:bestellposition
Branch tag:SOFTWARE
Der Software-Pfad ist damit deutlich kürzer:
Bestellposition
→ Bereitstellung
Für die Bereitstellung verwenden wir einen Abstand von:0–4 Stunden
Damit simulieren wir beispielsweise die Bereitstellung einer Lizenz oder eines digitalen Zugangs.
Wie entscheidet die Forge zwischen beiden Pfaden?
Die XOR-Entscheidung wird bereits vor der eigentlichen Case-Generierung getroffen.
Für einen Case ist deshalb eindeutig festgelegt, welcher Branch aktiv ist.
Nur die Slots des gewählten Branches werden erzeugt. Die Slots des anderen Branches fehlen für diesen Case.
Ein Case besitzt dadurch entweder:
lieferung / warenannahme / wareneingang / wareneingang_pruefung
oder:
bereitstellung
aber nicht beide Pfade gleichzeitig.
Beschaffungsart auch in den Daten sichtbar machen
Im Expert-Demo wird die getroffene XOR-Entscheidung zusätzlich auf ein fachliches Attribut übertragen.
Dazu wird: bestellung.produktgruppe auf: PHYSICAL
oder: SOFTWARE gesetzt.
Die Smart Data Forge unterstützt dafür bei einem XOR-Split das Schreiben des ausgewählten Branch-Werts auf einen bereits erzeugten Datensatz.
Damit lässt sich später nicht nur am Prozesspfad, sondern auch über ein Attribut erkennen, zu welcher Beschaffungsart der Case gehört.
Materialien passend zum Branch
Im vorbereiteten Expert-Datensatz ist zusätzlich sichergestellt, dass die ausgewählten Materialien zum jeweiligen Prozesspfad passen.
Beispiele:
PHYSICAL
Steuerungsmodul, Kabelsatz, Gehäuse, Sensor
SOFTWARE
Standardlizenz,, Wartungsvertrag
Damit soll verhindert werden, dass beispielsweise eine Standardlizenz durch einen physischen Wareneingangsprozess läuft.
Diese Zuordnung ist in der vorbereiteten Expert-Konfiguration bereits enthalten und muss für das Training nicht manuell aufgebaut werden.
Was sollte ich später in Noreja sehen?
Im Process Mining sollten nun zwei deutlich unterschiedliche reguläre Varianten sichtbar werden.
Physischer Pfad
Bestellposition
→ Lieferung
→ Warenannahme
→ Wareneingang
→ Wareneingangsprüfung
Software-Pfad
Bestellposition
→ Bereitstellung
Interessante Analysefragen sind beispielsweise:
Welche Beschaffungsart besitzt die längere Durchlaufzeit?
An welcher Stelle entsteht bei physischen Bestellungen die meiste Wartezeit?
Wie stark unterscheiden sich Software- und Materialbeschaffung im Prozess?
Wichtig ist:
Diese Unterschiede sind keine Abweichungen.
Beide Pfade sind reguläre Prozessvarianten unseres P2P-Modells.
Prozessvariante vs. Abweichung
Die bisherigen Simple-Use-Cases haben bewusst Auffälligkeiten erzeugt.
Zum Beispiel:
Maverick Buying
Rework
Wrong Order
Bei:
PHYSICAL
und:
SOFTWARE
handelt es sich dagegen um fachlich vorgesehene Varianten.
Das ist für die spätere Process-Mining-Analyse wichtig:
Nicht jede unterschiedliche Variante ist automatisch ein Prozessproblem.
Typische Fehler / darauf achten
Beide Pfade vom gleichen Ausgangspunkt starten.
Sowohl lieferung als auch bereitstellung beziehen sich auf bestellposition.
Gleiche Branch-Tags verwenden.
Der physische Pfad erhält durchgehend PHYSICAL, der Software-Pfad SOFTWARE.
XOR statt AND verwenden.
Ein Case soll genau einen der beiden Beschaffungspfade durchlaufen.
Varianten nicht als Abweichung interpretieren.
PHYSICAL und SOFTWARE sind reguläre fachliche Prozessvarianten.
Ergebnis
Unser bisheriges P2P-Modell besitzt nun zwei reguläre Beschaffungspfade:
PHYSICAL
→ längerer logistischer Prozess mit Lieferung und Wareneingang.
SOFTWARE
→ kurze digitale Bereitstellung.
Damit können wir erstmals untersuchen, wie unterschiedliche fachliche Prozesspfade die spätere Durchlaufzeit beeinflussen.
Nächster Schritt
Im nächsten Expert-Use-Case konzentrieren wir uns auf den physischen Pfad.
Dort führen wir mit:
wareneingang_pruefung
eine Aktivität ein, deren Bearbeitungskapazität begrenzt ist.
Darauf aufbauend erzeugen wir einen echten:
Capacity Bottleneck mit Backlog.