Tutorial P2P - Fehlermuster Bestelländerung (Rework)
TL;DR
Ziel: Nachträgliche Änderungen an bereits angelegten Bestellungen synthetisch erzeugen.
Voraussetzungen: Die bisherigen Simple-Use-Cases wurden auf dem P2P-Basismodell aufgebaut.
Ergebnis: Exakt 15 % der Cases erhalten eine Bestelländerung mit dem Timestampbestellung_geaendert_am.
Fachliche Fragestellung
Bestellungen werden in realen P2P-Prozessen nicht immer einmal angelegt und anschließend unverändert abgewickelt.
Typische Ursachen für Änderungen sind beispielsweise:
- geänderte Mengen,
- Preisänderungen,
- Anpassungen von Lieferterminen,
- falsche Bestelldaten,
- oder nachträglich geänderte Anforderungen.
Eine interessante Process-Mining-Frage lautet daher:
Wie häufig werden Bestellungen nach ihrer ursprünglichen Anlage nochmals bearbeitet und welchen Einfluss hat das auf den weiteren Prozess?
Für dieses Szenario verwenden wir das Rework-Behaviour der Smart Data Forge.
Gewünschtes Datenbild
Im normalen Prozess entsteht eine Bestellung einmal:
Bestellung angelegt
→ weitere Verarbeitung
In einem Rework-Fall entsteht zusätzlich ein späterer Änderungszeitpunkt:
Bestellung angelegt
→ Bestellung geändert
→ weitere Verarbeitung
Die ursprüngliche Bestellung bleibt erhalten. Zusätzlich wird über:
bestellung_geaendert_am
sichtbar, dass eine erneute Bearbeitung stattgefunden hat.
1. Rework-Regel anlegen
Öffne: 04 Special Behaviour
und füge eine neue Add deviation rule hinzu.
Wähle:
Type:Rework (duplicate a slot)
Slot to rework:
bestellung
Die drei wichtigen Rework-Einstellungen
Beim Rework können wir drei unterschiedliche Aspekte steuern.
Change timestamp
Hier wird festgelegt, welcher Timestamp die Nachbearbeitung dokumentiert.
Für unseren Use Case verwenden wir:bestellung_geaendert_am
Die bestehende Bestellung erhält dadurch einen zusätzlichen Änderungszeitpunkt.Duplicate stages
Mit dieser Option kann die Smart Data Forge eine tatsächliche zusätzliche Wiederholung erzeugen.
Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn eine Aktivität im Event Log wirklich erneut vorkommen soll.Shift downstream
Mit dieser Option wird die durch das Rework verursachte zusätzliche Zeit an die nachfolgenden Prozessschritte weitergegeben.
Ist die Bestellung beispielsweise sechs Stunden später fertig bearbeitet, verschieben sich auch die danach liegenden Aktivitäten entsprechend nach hinten.
Diese drei Einstellungen erlauben unterschiedliche Rework-Szenarien:
Nur Änderung dokumentieren:Change timestamp setzen, Duplicate stages aus, Shift downstream aus.
Echte Wiederholung erzeugen:Duplicate stages aktivieren.
Änderung mit Prozessauswirkung erzeugen:Change timestamp setzen und Shift downstream aktivieren.
Für unser P2P-Beispiel verwenden wir die dritte Variante.
2. Änderungstimestamp auswählen
Wähle als:
Change timestamp
bestellung_geaendert_am
Dieser Timestamp ist bereits in der Tabelle bestellung enthalten.
Damit können wir später eindeutig unterscheiden:
Normale Bestellung:bestellung_geaendert_am = NULL
Bestellung mit Rework:bestellung_geaendert_am enthält einen Zeitpunkt.
3. Rework-Abstand definieren
Setze als:
Rework gap (minutes):
120-720
Damit findet die Änderung zwischen:
2 Stunden und 12 Stunden
nach dem ursprünglichen Vorgang statt.
Diese Werte entsprechen der bestehenden P2P-Demo-Konfiguration.
4. Wahrscheinlichkeit auf 15 % setzen
Setze:
Probability (%): 15
Aktiviere zusätzlich:
exactly N % (fixed rate)
Da wir im Tutorial mit:
500 Cases
arbeiten, bedeutet das:
15 % von 500 = exakt 75 Cases
Es entstehen also reproduzierbar 75 Rework-Fälle.
Das unterscheidet diesen Use Case vom Maverick Buying. Dort haben wir eine normale Wahrscheinlichkeit verwendet. Hier möchten wir bewusst eine stabile Fallzahl erzeugen, die sich später einfach überprüfen lässt.
5. Rework-Verhalten festlegen
Für unseren Bestelländerungs-Use-Case verwenden wir:
Change timestamp:bestellung_geaendert_am
Duplicate stages:
deaktiviert
Shift downstream:
aktiviert
Damit wird keine zweite Bestellung erzeugt. Stattdessen erhält die bestehende Bestellung einen Änderungszeitpunkt und die zusätzliche Bearbeitungszeit wirkt sich auf die nachfolgenden Prozessschritte aus.
Vereinfacht entsteht:
Bestellung angelegt
→ Bestellung geändert
→ Bestellposition
→ Wareneingang
→ weitere Verarbeitung
6. Abweichung kennzeichnen
Setze als:
Tag:
BESTELLAENDERUNG
Die fertige Regel
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Type | Rework |
| Slot to rework | bestellung |
| Probability | 15 % |
| exactly N % | aktiviert |
| Rework gap | 120-720 Minuten |
| Change timestamp | bestellung_geaendert_am |
| Duplicate stages | deaktiviert |
| Shift downstream | aktiviert |
| Tag | BESTELLAENDERUNG |
Was verändert Rework im Prozess?
Der entscheidende Unterschied zu den bisherigen Use Cases ist:
Beim Maverick Buying wurde ein Teil des vorgesehenen Prozesses nicht ausgeführt.
Bei der Lieferantenperformance wurde der Prozess langsamer.
Beim Rework wird nun ein bereits bearbeitetes Objekt erneut verändert.
Fachlich lässt sich der Zusammenhang so darstellen:
Bestellung angelegt
→ Änderungsbedarf
→ Bestellung geändert
→ zusätzliche Prozesszeit
→ nachgelagerte Aktivitäten verschieben sich.
Was sollte ich später in Noreja sehen?
Im Datensatz sollten exakt 75 der 500 Cases einen gefüllten:
bestellung_geaendert_am
besitzen.
In einer Process-Mining-Analyse können daraus beispielsweise folgende Fragestellungen entstehen:
Wie häufig treten Bestelländerungen auf?
Wie unterscheidet sich die Durchlaufzeit von Bestellungen mit und ohne Änderung?
Gibt es Lieferanten, Produktgruppen oder Anforderer, bei denen Rework häufiger auftritt?
Welche nachgelagerten Prozessabschnitte werden durch die Änderung verzögert?
Interessant ist dabei insbesondere der Vergleich:
Cases ohne Rework
gegen
Cases mit Rework
Da die nachfolgenden Zeiten mitverschoben werden, sollte Rework auch einen messbaren Effekt auf die Gesamtdurchlaufzeit haben.
Rework ist nicht gleich Wrong Order
Bei Rework ist die ursprüngliche Reihenfolge fachlich korrekt. Ein Objekt wird lediglich später nochmals bearbeitet.
Beispiel:
Bestellung angelegt
→ Bestellung geändert
Bei Wrong Order wird dagegen die eigentliche Reihenfolge von Prozessereignissen verletzt.
Beispiel:
Bestellung angelegt
→ erst danach die eigentlich vorher erforderliche Freigabe.
Diesen Unterschied modellieren wir im nächsten Use Case.
Typische Fehler / darauf achten
exactly N % aktivieren.
Ohne diese Option würden 15 % lediglich als Wahrscheinlichkeit pro Case interpretiert.
Rework gap wird in Minuten angegeben.120-720 entspricht 2–12 Stunden.
Duplicate stages nicht automatisch aktivieren.
Die Option wird nur benötigt, wenn tatsächlich eine weitere Wiederholung als zusätzliche Zeile erzeugt werden soll.
Shift downstream bewusst wählen.
Ist die Option aktiviert, wirkt sich die zusätzliche Rework-Zeit auch auf den weiteren Prozess aus.
Ergebnis
Unser synthetischer Datensatz enthält nun drei unterschiedliche Arten von Prozessauffälligkeiten:
Maverick Buying
→ ein vorgesehener Prozesszweig wird umgangen.
Schlechte Lieferantenperformance
→ Prozessschritte benötigen systematisch länger.
Bestelländerung / Rework
→ ein bereits bearbeitetes Objekt wird nachträglich erneut verändert.
Damit wird das Datenbild zunehmend realistischer und ermöglicht später unterschiedliche Arten von Ursachen- und Performance-Analysen.
Nächster Schritt
Als Nächstes erzeugen wir eine echte Verletzung der erwarteten Ereignisreihenfolge:
Bestellung vor finaler Freigabe
Dafür verwenden wir Wrong order und erzeugen in exakt 5 % der Cases eine Bestellung, deren Zeitpunkt vor der erforderlichen finalen Freigabe liegt.
Weiter: Purchase-to-Pay Fehlermuster Bestellung vor finaler Freigabe - Wrong Order