Pfadsemantik

Konformitätspfad

Die Semantik des Konformitätspfads bezieht sich auf eine Kombination aus gewünschtem und beobachtetem Verhalten. Einerseits steht das gewünschte Verhalten im Zusammenhang mit dem kausalen Prozesswissen, das von der Analystin bzw. dem Analysten als Arbeitshypothese vorgegeben wird. Dabei wird – auf Grundlage der eigenen Expertise – angenommen, dass der Prozess im spezifischen Kontext einem bestimmten Pfad folgen sollte. Implizit wird davon ausgegangen, dass Prozessverhalten, das diesen Pfad nicht durchläuft, als Abweichung oder zumindest als unerwartetes Verhalten zu interpretieren ist. Andererseits bezieht der Konformitätspfad auch das in der Datenquelle aufgezeichnete Verhalten mit ein. Somit kann die Semantik dieses Pfads sowohl als tatsächlich beobachtetes Verhalten in den Quelldaten als auch als von der Analystin bzw. dem Analysten beabsichtigtes Verhalten verstanden werden. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener grauer Linie und ausgefüllter Pfeilspitze. Der Pfad verläuft eckig und ohne Krümmungen. Die Visualisierung soll den Eindruck eines erwarteten, aber nicht ausdrücklich betonten Verhaltens vermitteln.

Hypothetischer Pfad

Die Semantik des hypothetischen Pfads bezieht sich auf ein nicht beobachtetes, jedoch gewünschtes Verhalten. Das bedeutet, dass das kausale Prozesswissen zulässt, dass der Prozess diesen bestimmten Pfad durchläuft, obwohl in den Daten kein entsprechendes Verhalten aufgezeichnet wurde. Das Auftreten eines hypothetischen Pfads impliziert stets, dass es mindestens eine weitere Pfadoption gibt, über die der Prozess ebenfalls verlaufen kann. Beispielsweise kann dies durch das kausale Wissen bedingt sein, das die parallele Ausführung zweier Aktivitäten mit Zeitversatz erlaubt, oder durch einen Abschnitt im Prozess, der eine freie Wahl zwischen Folgeaktivitäten ermöglicht. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit gestrichelter grauer Linie und ausgefüllter Pfeilspitze mit ebenfalls eckigem Verlauf. Die Visualisierung soll die Unbestimmtheit eines nicht konformen Verhaltens vermitteln.

Ausgelassener Pfad

Die Semantik des ausgelassenen Pfads bezieht sich ebenfalls auf ein nicht beobachtetes, jedoch gewünschtes Verhalten. Im Gegensatz zum hypothetischen Pfad wird hier die beabsichtigte Sequenz als verpflichtend angesehen – allerdings liegt keine Datenaufzeichnung vor, die deren Ausführung bestätigt. Das Auftreten eines ausgelassenen Pfads deutet darauf hin, dass bestimmte Prozessaktivitäten unbeabsichtigt übersprungen wurden oder dass die Reihenfolge der Aktivitäten vertauscht wurde. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit gestrichelter grauer Linie und nicht ausgefüllter (leerer) Pfeilspitze. Auch dieser Pfad verläuft eckig. Die leere Pfeilspitze soll verdeutlichen, dass dieser Pfad verpflichtend wäre und somit besonders hervorgehoben werden muss.

Erlaubter Abkürzungspfad

Die Semantik des erlaubten Abkürzungspfads bezieht sich auf gewünschtes und beobachtetes Verhalten. Das kausale Prozesswissen gibt hier vor, dass bestimmte Prozessaktivitäten übersprungen werden dürfen, ohne dass sie zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden müssen – und genau das bestätigen auch die aufgezeichneten Daten. Wenn dieser Pfad im Modell erscheint, kann ein hypothetischer Pfad damit verknüpft sein, da ein alternativer, längerer Pfad über die ausgelassenen Aktivitäten in der Realität ebenfalls möglich gewesen wäre. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener grauer Linie und ausgefüllter Pfeilspitze. Die Struktur ist wiederum eckig und soll erwartetes und erwünschtes Verhalten vermitteln. Häufig verläuft dieser Pfad parallel zu anderen Konformitätspfaden.

Verbotener Abkürzungspfad

Die Semantik des verbotenen Abkürzungspfads bezieht sich auf unerwünschtes, aber beobachtetes Verhalten. In diesem Fall erlaubt das kausale Prozesswissen ausdrücklich nicht, dass der Prozess eine bestimmte Aktivität überspringt – dennoch ist dieses Verhalten in den Daten dokumentiert. Mit solchen Pfaden ist mindestens ein ausgelassener Pfad verknüpft, da Aktivitäten, die eigentlich vorgesehen waren, übersprungen und nicht nachgeholt wurden. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener roter Linie und ausgefüllter Pfeilspitze. Im Gegensatz zur erlaubten Abkürzung verläuft dieser Pfad jedoch gekrümmt, um einen Kontrast zu schaffen und unerwünschtes Verhalten durch eine visuell unstrukturierte Darstellung hervorzuheben.

Erlaubter Rücksprungspfad

Die Semantik des erlaubten Rücksprungspfads bezieht sich auf beobachtetes und gewünschtes Verhalten. Das kausale Prozesswissen erlaubt hier, dass der Prozess zu bereits ausgeführten Aktivitäten zurückspringen darf. Sobald ein solcher Rücksprung erfolgt, gibt es mehrere mögliche Folgepfade, was die Komplexität erhöht. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener grauer Linie und ausgefüllter Pfeilspitze. Der Pfad verläuft eckig, aber in entgegengesetzter Richtung zu anderen Konformitätspfaden. Auch wenn Rücksprünge oft negativ assoziiert werden, unterstreicht diese Pfadsemantik, dass ein bereits ausgeführter Prozessschritt wiederholt werden darf.

Verbotener Rücksprungspfad

Die Semantik des verbotenen Rücksprungspfads bezieht sich auf beobachtetes, aber unerwünschtes Verhalten. In diesem Fall verbietet das kausale Prozesswissen, zu einer zuvor ausgeführten Aktivität zurückzukehren – obwohl die Daten einen solchen Rücksprung zeigen. Diese Pfade eröffnen eine Vielzahl an möglichen Folgepfaden, was typischerweise zu einer höheren Modellkomplexität führt. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener roter Linie, gefüllter Pfeilspitze und gekrümmtem Verlauf. Meist verläuft dieser Pfad entgegengesetzt zu Konformitätspfaden und macht durch seine Form deutlich, dass ein nicht erwünschtes Verhalten stattgefunden hat.

Überspring-Rückwärts-Pfad

Die Semantik des Überspring-Rückwärts-Pfads bezieht sich auf beobachtetes, aber unerwünschtes Verhalten, das zwangsläufig in Kombination auftritt. Das bedeutet: Die aufgezeichneten Daten zeigen, dass die Aktivitäten in einer vom kausalen Prozesswissen verbotenen Reihenfolge ausgeführt wurden. Dies löst mindestens einen Pfad aus, der eine vorgesehene Folgeaktivität überspringt, und mindestens einen Rückwärtspfad, der an einer übersprungenen Stelle fortsetzt. Auch wenn letztlich alle vorgesehenen Aktivitäten durchgeführt wurden, war ihre Reihenfolge inkorrekt. Wenn dieser Pfad im Modell erscheint, lässt sich immer ein ausgelassener Pfad mit einem Paar aus Rückwärts- und Übersprungspfad verknüpfen. Die visuelle Darstellung erfolgt durch einen Pfeil mit durchgezogener roter Linie und ausgefüllter Pfeilspitze sowie einem gekrümmten Verlauf. Zusammen mit den verbundenen Pfaden zur Folgeaktivität sowie dem ausgelassenen Pfad zwischen den ursprünglichen Aktivitäten soll die Visualisierung einen komplexen und leicht chaotischen Eindruck vermitteln – als Zeichen dafür, dass der Prozess nicht wie gewünscht abgelaufen ist.

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