Deep Dive: Positive und Negative Zeiten

Bei Noreja bieten wir erweiterte Filteroptionen, mit denen sich das Prozessverhalten auf Basis der zeitlichen Richtung zwischen Aktivitäten analysieren lässt – insbesondere, ob die Zeitspanne zwischen zwei Aktivitäten positiv oder negativ ist.

Diese Unterscheidung hilft dabei, ungewöhnliche Übergänge besser zu verstehen – etwa solche, bei denen Ereignisse außerhalb der chronologischen Reihenfolge auftreten oder eine verdächtig schnelle/langsame Abfolge aufweisen.

Was bedeutet „Zeitverhalten“?

Standardmäßig zeigen Prozessgraphen in Noreja alle Übergänge zwischen Aktivitäten – unabhängig davon, ob die Zeit zwischen ihnen positiv oder negativ ist. Mit aktiviertem Zeitfilter kannst du jedoch gezielt nur chronologisch richtige Übergänge (positive Zeit) analysieren oder potenzielle Daten- oder Modellierungsprobleme durch zeitlich rückwärts gerichtete Übergänge (negative Zeit) erkennen.

Positives Zeitverhalten

Wenn positives Zeitverhalten aktiviert ist, werden nur Übergänge gezählt, deren Dauer größer oder gleich null ist.
Das bedeutet, dass die zweite Aktivität nach der ersten stattgefunden hat – wie erwartet.

Beispiel:
Beim Übergang von Mahnstufe 1 einleiten zu Mahnstufe 2 einleiten werden nur Instanzen berücksichtigt, in denen die zweite Aktivität nach der ersten erfolgte.

Ergebnis:

  • 3 Übergänge von Mahnstufe 1 einleiten zu Mahnstufe 2 einleiten 
  • 1 Übergang von Mahnstufe 1 einleiten  zu Zahlung erhalten

Negatives Zeitverhalten

Wenn negatives Zeitverhalten aktiviert ist, zeigt der Prozessgraph nur Übergänge, bei denen die Dauer kleiner als null ist – d. h. die zweite Aktivität fand vor der ersten statt.

Dieses Modus eignet sich besonders zur Erkennung von:

  • Datenqualitätsproblemen (z. B. vertauschte Zeitstempel)
  • Sonderfällen oder ungeklärten Ereignisumsortierungen

Beispiel:
Im gleichen Fallbeispiel zeigen zwei Mahnstufe 1 einleiten-Aktivitäten einen negativen Übergang zu Mahnstufe 2 einleiten.
Übergänge zu Zahlung erhalten werden in diesem Modus nicht berücksichtigt.

Ergebnis:

  • 2 Übergänge von Mahnstufe 1 einleiten zu Mahnstufe 2 einleiten
  • 0 Übergänge von Mahnstufe 1 einleiten zu Zahlung erhalten

 

Warum stimmen die Summen nicht überein?

Du fragst dich vielleicht:
Warum entspricht die Summe der positiven und negativen Übergänge nicht der Gesamtanzahl der Übergänge ohne Zeitfilter?

Die Antwort liegt in der sogenannten Clique-Situation:
Manche Prozessinstanzen haben mehrere Folgetransitionen – manche mit positiver, andere mit negativer Dauer.
In solchen Fällen kann ein und dieselbe Instanz sowohl in der positiven als auch in der negativen Sicht erscheinen – wird jedoch nur einmal in der ungefilterten Sicht gezählt.

Zusammengefasst:

  • Die ungefilterte Ansicht zeigt alle Übergänge einmal.
  • Die positiven/negativen Filter können einzelne Instanzen doppelt zählen, wenn man sie getrennt betrachtet

Tipp

Du kannst zwischen positivem und negativem Zeitfilter im Bereich Pfad-Zeitfilter auf der rechten Seitenleiste im Analyzer umschalten. Nutze diese Funktion, um ungewöhnliches Verhalten zu untersuchen, die Reihenfolge von Ereignissen zu validieren oder zeitbasierte Anomalien gezielt zu isolieren.

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