Deep Dive: Kardinalitäten
Verständnis von Kardinalitäten in Prozessgraphen
Kardinalitäten in Prozessgraphen helfen dabei, die strukturellen Beziehungen zwischen Aktivitäten über mehrere Prozessinstanzen hinweg zu verstehen. Sie beschreiben, wie oft eine Aktivität in eine andere übergeht – also, ob es sich um eine Eins-zu-Eins-, Eins-zu-Viele- oder Viele-zu-Viele-Beziehung handelt.
Dieses Konzept ist essenziell bei der Analyse von wiederkehrenden Verhaltensmustern, Split-Merge-Strukturen oder abweichenden Prozessverläufen.
Was drückt eine Kardinalität aus?
Jeder Pfeil im Prozessgraphen kann mit einer Kardinalitätsangabe wie 1:1, 1:n oder 0…1:1 versehen sein.
Diese beschreibt die minimale und maximale Anzahl an Verbindungen zwischen zwei Aktivitätstypen – über alle Prozessinstanzen hinweg.
Format ist immer wie folgt:[Multiplizität der Quellaktivität] : [Multiplizität der Zielaktivität]
Häufige Kardinalitätstypen
1:1 – Eins zu Eins
Jede Instanz der Quellaktivität wird genau von einer Zielaktivität gefolgt – und umgekehrt.
Interpretation:
Dieser Pfad wird pro Fall einmal durchlaufen und steht für einen linearen Ablauf.
Beispiel:Schaden anlegen → Schaden einpflegen1:1 bedeutet: Jeder angelegte Schaden wird genau einmal weiterbearbeitet.
1:n – Eins zu Viele
Eine Quellaktivität führt zu mehreren Zielaktivitäten.
Interpretation:
Ein einzelnes Ereignis löst mehrere Folgeaktionen aus.
Beispiel:bo.TypeC → dbo.TypeE
Kardinalität 1:0…3 bedeutet: Ein Ereignis vom TypeC kann bis zu drei Ereignisse vom TypeE nach sich ziehen.
n:1 – Viele zu Eins
Mehrere Quellaktivitäten führen zu einer einzigen Zielaktivität.
Interpretation:
Ein Konsolidierungspunkt, bei dem verschiedene Zweige in einem Schritt zusammenlaufen.
Beispiel:dbo.TypeB → dbo.TypeC mit 1…2:0…1
Mehrere TypeB-Ereignisse können in ein einziges TypeC-Ereignis münden.
n:m – Viele zu Viele
Mehrere Ereignisse auf beiden Seiten interagieren miteinander.
Interpretation: Ein schleifenartiger oder wiederholter Ablauf, z. B. bei Nachbearbeitungen oder Bündelungen.
Beispiel: Kardinalität 1…2:0…2: Beide Seiten haben mehrfache Zuordnungen – häufig in komplexen Serviceprozessen oder bei „Retry“-Logiken.
0:1 – Optionale Pfade
Eine 0 bedeutet, dass der Übergang nicht in jedem Fall stattfindet.
Beispiel: dbo.TypeE → dbo.TypeF mit 0…1:0…1
In manchen Fällen wird dieser Schritt gänzlich übersprungen.
Praktische Anwendungsfälle
Splits erkennen in der Prozesslogik (z. B. Rechnung → mehrere Mahnstufen)
Merges identifizieren bei paralleler Bearbeitung (z. B. Genehmigungen → Finalisierung)
Optionale Pfade & Edge Cases sichtbar machen
Wiederholungen & Schleifen analysieren (z. B. Nacharbeit oder Servicewiederholungen)
Ressourcenplanung optimieren durch das Verständnis von linearen vs. burstartigen Übergängen