Tutorial P2P - Fehlermuster Bestellung vor finaler Freigabe - Wrong Order
TL;DR
Ziel: Fälle erzeugen, in denen eine Bestellung zeitlich vor einer erforderlichen Freigabe liegt.
Voraussetzungen: Die Freigabestruktur mitDUALundDIRECTist vorhanden.
Ergebnis: In einem Teil der freigabepflichtigen Cases liegtbestellungzeitlich vorfreigabe_b.
Fachliche Fragestellung
Im regulären Beschaffungsprozess sollte eine freigabepflichtige Bestellung erst erstellt werden, nachdem die erforderlichen Freigaben erfolgt sind.
Der erwartete Ablauf lautet:
Bestellanforderung
→ Freigabe A / Freigabe B
→ Bestellung
Eine mögliche Compliance-Abweichung lautet dagegen:
Bestellanforderung
→ Bestellung
→ Freigabe B
Die Freigabe fehlt dabei nicht vollständig. Sie erfolgt lediglich zu spät.
Genau darin unterscheidet sich dieser Use Case vom Maverick Buying.
Maverick Buying vs. Wrong Order
Beim Maverick Buying wird ein vorgesehener Freigabeweg umgangen.
Bei Wrong Order findet die Freigabe weiterhin statt – allerdings in der falschen zeitlichen Reihenfolge.
Maverick Buying
Bestellanforderung → Bestellung
Freigabe wird übersprungen.
Wrong Order
Bestellanforderung → Bestellung → Freigabe
Freigabe ist vorhanden, erfolgt aber erst nach der Bestellung.
Damit erzeugen wir eine andere Art von Compliance-Problem.
1. Wrong-Order-Regel anlegen
Öffne:
04 Special Behaviour
und füge eine neue Add deviation rule hinzu.
Wähle:
Type:Wrong order (swap two slots)
Die Smart Data Forge verwendet Wrong order, um die Zeitpunkte zweier Prozess-Slots miteinander zu vertauschen.
2. Die beiden Prozessschritte auswählen
Wähle:
Slot A:freigabe_b
und:
Swap with:bestellung
Damit definieren wir, welche beiden Prozessereignisse ihre zeitliche Position tauschen sollen.
Im normalen Case gilt:
freigabe_b
→ bestellung
Im Wrong-Order-Case entsteht:
bestellung
→ freigabe_b
Was wird dabei tatsächlich verändert?
Wrong order verändert nicht die relationale Struktur des Datensatzes.
Foreign Keys, Tabellenbeziehungen und die eigentliche Causal Chain bleiben bestehen.
Stattdessen werden die Timestamps der beiden ausgewählten Slots nach der normalen Datengenerierung zeitlich verschoben. Die Engine wendet solche bewusst erzeugten Wrong-Order-Anomalien erst nach der regulären kausalen Timestamp-Erzeugung an.
Dadurch erhalten wir bewusst Daten, bei denen:
die Beziehung fachlich weiterhin existiert, die zeitliche Reihenfolge aber nicht mehr plausibel ist.
Genau solche Fälle sind für Process Mining besonders interessant.
3. Wrong Order nur auf freigabepflichtige Cases anwenden
Hier müssen wir eine Besonderheit unseres P2P-Modells berücksichtigen.
freigabe_b existiert nur auf dem:
DUAL
Pfad.
Bei einem regulären:
DIRECT
Case gibt es keine freigabe_b.
Wir möchten deshalb vermeiden, dass ein DIRECT-Case als Wrong Order ausgewählt wird, obwohl dort gar keine zweite Freigabe vorgesehen ist.
Dafür setzen wir bei der Wrong-Order-Regel zunächst:
Probability (%): 5
Damit gilt:
Wenn eine
freigabe_bfür den Case existiert, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 5 %, dass ihre zeitliche Reihenfolge mit der Bestellung vertauscht wird.
5. Abweichung kennzeichnen
Setze bei der Wrong-Order-Regel als:
Tag:
BESTELLUNG_VOR_FINALER_FREIGABE
Die fertige Konfiguration
Wrong-Order-Regel
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Type | Wrong order |
| Slot A | freigabe_b |
| Swap with | bestellung |
| Probability | 5 % |
| Tag | BESTELLUNG_VOR_FINALER_FREIGABE |
Was verändert sich im Datensatz?
Ohne Abweichung:
Bestellanforderung
→ Freigabe A / B
→ Bestellung
Mit Wrong Order:
Bestellanforderung
→ Bestellung
→ Freigabe B
Wichtig ist:
Die Freigabe wurde nicht entfernt.
Sie ist weiterhin vorhanden, liegt zeitlich jedoch nach der Bestellung.
Damit erzeugen wir bewusst einen Fall, bei dem Prozessstruktur und Zeitlogik nicht mehr miteinander übereinstimmen.
Was sollte ich später in Noreja sehen?
In Noreja sollten einzelne freigabepflichtige Cases sichtbar werden, bei denen die Bestellung bereits vor der erforderlichen Freigabe erfolgt ist.
Mögliche Analysefragen sind:
Wie viele Bestellungen wurden vor Abschluss der Freigabe angelegt?
Welche Anforderer, Produktgruppen oder Bestellwerte treten bei diesen Fällen besonders häufig auf?
Welche Auswirkungen hat die falsche Reihenfolge auf den weiteren Prozess?
Besonders interessant ist dabei der Vergleich mit Maverick Buying:
Maverick Buying: Freigabe fehlt.
Wrong Order: Freigabe existiert, kommt aber zu spät.
Damit können zwei ähnlich wirkende Prozessauffälligkeiten fachlich sauber voneinander getrennt werden.
Typische Fehler / darauf achten
Wrong Order nicht mit Overjump verwechseln.
Wir wollen die Freigabe nicht entfernen, sondern lediglich ihre zeitliche Position verändern.
Nur freigabepflichtige Cases berücksichtigen.
Ein DIRECT-Case ohne freigabe_b ist kein Wrong-Order-Fall.
Die relationale Struktur bleibt bestehen.Wrong order manipuliert die Zeitpunkte – nicht die Foreign Keys oder die Causal Chain.
Ergebnis
Unser Datensatz enthält nun zusätzlich eine echte zeitliche Prozessabweichung:
erforderliche Freigabe
→ sollte vor der Bestellung stattfinden
wird in ausgewählten Cases zu:
Bestellung
→ Freigabe
Damit haben wir neben fehlenden Aktivitäten, Performance-Problemen und Rework nun auch eine Reihenfolgeverletzung im synthetischen P2P-Datensatz.
Nächster Schritt
Als Nächstes modellieren wir Prozesse, die zwar regulär beginnen, aber nicht bis zum Ende durchlaufen:
Prozessabbruch / offene Prozesse
Dafür verwenden wir das Abort-Behaviour und lassen Cases gezielt nach unterschiedlichen Prozessschritten enden.
Weiter: Purchase-to-Pay Fehlermuster Prozessabbruch bzw. offene Prozesse